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Auf einen Kaffee mit Meryem Kor

Was bedeutet Fahrradfahren für Dich?

Freiheit und Unabhängigkeit! Alleine, nicht über das Parken oder die nächste U-Bahn nachdenken zu müssen, ist genial. Für mich gibt es kein Argument, nicht Fahrrad zu fahren.

Welche Strecken fährst Du?

Alles, was mit dem Rad erreichbar ist. Wenn es für mich zeitlich passt, fahre ich auch weitere Strecken. Bei allem, was man in der Stadt innerhalb von 30 Minuten erreichen kann, denke ich gar nicht drüber nach.

Auch wegen des Wetters mache ich mir keine Gedanken mehr. Wichtig ist eine gute Jacke, die mich vor Regen und Kälte schützt, und im Winter Handschuhe und Mütze. Wenn es richtig schlimm regnet, packe ich mir eine Wechselhose ein und dann ist das auch kein Problem. Ein Handgriff, über den ich gar nicht mehr groß nachdenke.

Wann fährst Du nicht?

Wenn die Straßen eisig sind oder bei frischem Schnee.

Was sind Deine frühesten Erinnerungen ans Fahrradfahren?

Frühe Erinnerungen habe ich schon – aber leider nur „aus der Ferne“.

In der Türkei gab es bei uns nur vereinzelt Fahrräder. Diese waren kulturell bedingt nur Männern zugänglich. Aber eine Faszination dafür hatte ich schon immer. Allein aus dem Gedanken heraus, dass der Antrieb, die Fortbewegung, ausschließlich von einem selbst kommt.

Zwei Jahre nachdem ich ch Deutschland gekommen bin, habe ich mit einer Schulfreundin im Park angefangen, die ersten Fahrübungen zu machen. Aber so wirklich bin ich danach nie gefahren, eigentlich nur geradeaus. Bei Kurven und Kreuzungen bin ich abgestiegen und habe das Rad geschoben.

Jahrelang ging das so, bis ich 30 war. Irgendwann, nach einem Kinobesuch, habe ich einem Freund davon erzählt. Wir sind dann auf die Theatinerstraße gegangen und er hat mir Anfahren und Bremsen beigebracht. Er hat so lange nicht locker gelassen, bis ich mich sicher gefühlt habe. Da hat es Klick gemacht. Seitdem ist das Fahrrad aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Fährst Du mit Helm?

Ich weiß, dass es besser wäre – aber ehrlich gesagt, nein.

Was war ein besonders schönes Erlebnis in Bezug auf das Radfahren?

Nach einem Konzert im Sommer bin ich wie beseelt durch die Nacht nach Hause gefahren und habe die Musik noch nachwirken lassen. Im Auto oder irgendwo „eingepfercht“ wäre das sicherlich nicht passiert.

Ein anderes Mal, in Burma, haben wir uns Fahrräder gemietet und alle zusammen die Landschaft sehr intensiv erlebt. Sie ist genau im richtigen Tempo an uns vorbei geglitten.

Was nervt Dich am Radeln in der Stadt?

Die Wege sind leider teilweise sehr schmal und die Fahrradfahrer untereinander manchmal fürchterlich.

Was würdest Du gerne ändern?

Eine autofreie Innenstadt wäre traumhaft!